Eine Welt zwei Wochen lang
So macht zelten Spaß: Ein Blick ins Zeltlager Offendorf 2010
Zwei Wochen lang das bequeme Bett gegen Isomatte und Schlafsack tauschen, auf Handy und Computer verzichten, Abwaschdienst oder sogar Kloputzdienst übernehmen, das Zelt mit neun anderen teilen und sich morgens im Badezimmer an 20 anderen vorbei zum Waschbecken schlängeln – das macht jemand freiwillig? Sogar gerne! In diesen Sommerferien waren wieder rund 250 Teilnehmer bei Bombenwetter im Zeltlager der evangelischen Jugend in Offendorf bei Lübeck. (Wellenreiter hat nachgefragt, was Jugendlichen daran Spaß macht).
Ein normaler Tag im Zeltlager Offendorf sieht so aus: Aufwachen im Zelt, quer über den Platz zum Zähneputzen gehen, um 8.30 Uhr gibt es Frühstück in der so genannten „EG“ (Essengemeinschaft) mit bis zu 20 anderen. In dieser EG verbringt man die meiste Zeit, die Gruppenleiter haben so ein einiges vorbereitet: Es werden Specksteinfiguren geschliffen, Perlentiere geknüpft, gehämmert, gesägt und jede Menge Spiele gespielt. Keiner wundert sich, wenn Teilnehmer laut rufend über den Platz rennen, weil sie in einer Minute eine bestimmten Gegenstand finden müssen – das kann nur das Spiel „Auf den Tisch des Hauses“ sein. Auch wer singend im Kreis hüpft und tanzt erntet nach ein paar Tagen kaum noch komische Blicke. In der Mittagspause ist Zeit zum chillen, nach Kaffee und Kuchen geht es dann weiter mit dem Programm. Sehr beliebt bei dem Bombenwetter in diesem Jahr war es natürlich zur Badeanstalt um die Ecke am Hemmelsdorfer See zu laufen und sich abzukühlen. Dieses Mal fand dort sogar die Disko statt. Das ganze Zeltlager feiert hier zusammen, genauso wie bei den Gottesdiensten, dem Bergfest oder der Olympiade. Auch zum Fußballgucken kam 2010 eine begeisterte Menge zusammen.
Philipp (12 Jahre) war zum ersten Mal in Offendorf dabei. Der Computer zu Hause fehlt ihm nicht und Angst vor Spinnen hat er auch keine. „Kleine Streitereien gab es schon mal in der EG, aber sonst war es gut“, sagt er. Die absoluten Höhepunkte für ihn: Kanu fahren auf dem See und eine Nachtwanderung durch den Wald inklusive Gruselgeschichte und Gespenstern in den Büschen. „Blöd war nur, dass ich zwischendurch krank wurde“, erzählt er. „Aber da haben mir meine EG und viele andere eine große Karte gebastelt und ins Krankenhaus gebracht.“ Den großen Ausflug in die nahe Stadt Lübeck kombinierten die Teilnehmer in diesem Jahr mit einer besonderen Spendenaktion. Viele EG’s dachten sich kleine Vorführungen aus um auf der Strasse gemeinsam Spenden für ein Kinderprojekt in Brasilien sammeln. Das ganze Lager war stolz als das Ergebnis von über 300 Euro verkündet wurde.
In der Gruppe auf dem Platz sind natürlich auch eher weniger angenehme Pflichten zu tun: Doch mit lauter Musik und den Freunden neben sich kann selbst Geschirr abtrocknen, Müll einsammeln oder Klos putzen Spaß bringen. Normalerweise gibt es in Offendorf um 18.30 Uhr Abendessen, noch einmal Programm und um spätestens um 10 Uhr wird in den Schlafsack gekrabbelt und die Taschenlampen werden ausgeknipst. Normalerweise.. vielleicht findet sich ja doch die ein oder andere Möglichkeit zum Nachbarzelt zu huschen, wenn der Gruppenleiter nicht im Zelt ist.
Der Abschied: „Heulquote von 50 Prozent“
Wer als „Kiddie“ in Offendorf war, den lässt das Zeltlager auch mit über 15 Jahren oft nicht los: Viele gehen in den „Lehrgang“, machen den Jugendgruppenleiterschein um dann im nächsten Jahr eine der zwölf Essensgemeinschaften zu betreuen.
Irgendwann ist er doch so plötzlich da: Der allerletzte Abend. Alle kommen noch einmal zusammen um auf die Höhepunkte des Lagers zurückzublicken. In diesem Jahr malen sich Jugendliche auf der Bühne aus, wie es ist, wieder zu Hause zu sein: Plötzlich nur zu dritt am Mittagstisch, nicht jeden Tag die neuen Freunde um sich herum. Und gar nicht so einfach den alten zu erklären was man so erlebt hat, was Offendorf so besonders macht, das große Gemeinschaftsgefühl. Wenn der Song „Time to say goodbye“ ertönt liegen sich viele in den Armen und die „Heulquote“ ist bei zirka 50 Prozent. Insgeheim freut sich so mancher wie auch Philipp auf sein Bett, seine Familie und den Hund. Aber gleichzeitig denkt er: „Hoffentlich fahre ich 2011 wieder mit nach Offendorf!“
Info: Das Zeltlager Offendorf findet jedes Jahr zwei Wochen in den Sommerferien statt, für Teilnehmer und Gruppenleiter aus den Kirchenkreisen Land Hadeln, Wesermünde Süd, Rotenburg und Osterholz. Mehr Infos, bestimmt auch über andere Zeltlager der Evangelischen Jugend, gibt es bei deiner Kirchengemeinde.
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